PlanB ← Zur Startseite
Erste Schritte

Notfallhandbuch erstellen — Schritt für Schritt

Die komplette Anleitung an einem Ort: vom Grundgerüst über den BCMS-Ausbau nach BSI 200-4 / NIS2 bis zur laufenden Pflege. Druckbar.

Diese Anleitung fasst den gesamten Weg zum fertigen Notfallhandbuch an einem Ort zusammen — von der ersten Eingabe bis zum gelebten, prüffähigen BCMS. Sie ist als durchgehende Schritt-für-Schritt-Liste gedacht, die Sie auch ausdrucken können (Browser: Strg/Cmd + P).

Der Aufbau folgt drei Phasen:

Phase Ziel Aufwand
1 · Grundgerüst Ein vollständiges, freigegebenes Notfallhandbuch 2–6 Std., verteilt auf 1–2 Tage
2 · BCMS-Ausbau Reife nach BSI 200-4 / NIS2 (Vorsorge, Risiken, Governance) iterativ über Wochen
3 · Leben & pflegen Aktuell halten, üben, verbessern dauerhaft

Tipp: Phase 1 reicht für ein einsatzfähiges Notfallhandbuch. Phase 2 hebt den Reifegrad Richtung „Standard-BCMS" und erfüllt zusätzliche NIS2-Pflichten. Beginnen Sie nicht mit allem gleichzeitig.

Phase 1 – Das Grundgerüst (die 9 Pflicht-Schritte)

Diese Schritte entsprechen dem Einrichtungs-Assistenten auf dem Dashboard (Sidebar: Einrichtung). Das System prüft jeden Schritt automatisch und hakt ihn ab, sobald die Voraussetzung erfüllt ist.

# Schritt Wo in der App Was zu tun ist
1 Firmenprofil Notfallhandbuch → Firma Name, Branche, Rechtsform, Mitarbeiterzahl, zuständige Aufsichtsbehörde. Grundlage für alle Vorlagen und Reports.
2 Branchen-Template (optional) Firma → Branchen-Template Typische Systeme Ihrer Branche per Klick übernehmen — spart bis zu 80 % Tipparbeit.
3 Standorte Notfallhandbuch → Standorte Mindestens ein Standort, idealerweise mit Hauptsitz-Markierung. Wird für Wiederanlauf und Aushänge gebraucht.
4 Mitarbeiter Notfallhandbuch → Mitarbeiter Mindestens drei Personen mit Kontaktdaten. Ohne sie bleiben Telefonliste und RACI leer.
5 Pflichtrollen besetzen Abteilungen / Rollen Notfallbeauftragte/r, IT-Leitung, Datenschutz, Kommunikation, Geschäftsführung — je eine Hauptperson und möglichst eine Vertretung.
6 Dienstleister Notfallhandbuch → Dienstleister Mindestens ein externer IT-Dienstleister mit Hotline und SLA-Zeitfenster.
7 Systeme klassifizieren Notfallhandbuch → Systeme Mindestens drei kritische Geschäfts-/IT-Systeme erfassen, je ein Notfall-Level (RTO/RPO) zuordnen.
8 Sofortmittel Notfallhandbuch → Sofortmittel Mindestens eine Notfall-Ressource: Notebook-Pool, USV, Schlüssel, Bargeld …
9 Erste Handbuch-Version freigeben Team & Freigaben → Versionshistorie Den dokumentierten Stand offiziell „freigegeben" stellen — damit beginnt die revisionssichere Versionshistorie.

Nach Schritt 9 haben Sie ein vollständiges, freigegebenes Notfallhandbuch und einen ersten Compliance-Score.

Sinnvoll ergänzen (noch Teil des Grundgerüsts)

  • Abhängigkeiten zwischen Systemen erfassen (Systeme → Abhängigkeiten) — damit die Wiederanlauf-Reihenfolge stimmt.
  • Notfallbetrieb / Ausweichverfahren je kritischem System hinterlegen (Notfallhandbuch → Notfallbetrieb).
  • Szenarien aus den Vorlagen übernehmen (Ernstfall → Szenarien) und auf Ihre Lage anpassen.

Phase 2 – BCMS-Ausbau nach BSI 200-4 / NIS2

Diese Schritte machen aus dem Grundgerüst ein belastbares Managementsystem. Sie finden die Module in der Sidebar-Gruppe „BCMS & Governance" sowie unter Prävention und Risiken.

Schritt A – Geschäftsprozesse & Business-Impact-Analyse (BIA)

BCMS & Governance → Geschäftsprozesse / BIA

Erfassen Sie Ihre Geschäftsprozesse (z. B. Auftragsannahme, Lohnabrechnung, Produktion) mit Kritikalität, maximal tolerierbarer Ausfallzeit (MTPD), RTO/RPO und den dafür benötigten Systemen. So begründen Sie die System-Prioritäten vom Geschäft her — das methodische Herzstück nach BSI 200-4.

Schritt B – Risiken bewerten

Risiken (Risiko-Register)

Tragen Sie die relevanten Risiken ein, bewerten Sie Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung, und hinterlegen Sie Maßnahmen mit Verantwortlichen. So weisen Sie das Restrisiko nach.

Schritt C – Präventivmaßnahmen festlegen

Prävention (auch als Karteikarte je System)

Definieren Sie vorbeugende Kontrollen, die einen Ausfall verhindern: Backup-Rückspieltests, Patch-Management, Monitoring, Redundanz, Wartung. Wiederkehrende Maßnahmen erhalten ein Intervall, tauchen fällig in der Aufgaben-Inbox auf und lösen Erinnerungen aus. Über „Vorschläge übernehmen" füllen Sie eine Systemkarte mit einem Klick.

Schritt D – Lieferketten-Risiko bewerten

BCMS & Governance → Lieferketten-Risiko

Bewerten Sie kritische Dienstleister: Kritikalität, Sicherheits-Status, Wiederholungsturnus, Ausweich-Anbieter. Erfüllt die NIS2-Anforderung an die Lieferkettensicherheit.

Schritt E – Schulungen nachweisen

BCMS & Governance → Schulungen

Dokumentieren Sie, wer wann zu BCM/Security geschult wurde — inklusive der NIS2-pflichtigen Leitungsschulung — mit Fälligkeitszyklus.

Schritt F – Governance verankern

  • BCM-Leitlinie (BCMS & Governance → BCM-Leitlinie): Geltungsbereich und Grundsätze festhalten und durch die Leitung freigeben — der wichtigste Entlastungsnachweis nach NIS2.
  • Management-Review (BCMS & Governance → Management-Review): regelmäßige Leitungsbewertung mit Kennzahlen, offenen Maßnahmen und Beschlüssen dokumentieren.

Schritt G – Reifegrad bestimmen

BCMS & Governance → Reifegrad (BSI 200-4)

Beantworten Sie den kurzen Selbsteinschätzungs-Fragebogen. Sie erhalten Ihre Stufe (Reaktiv → Aufbau → Standard) und eine Lückenliste mit den nächsten sinnvollen Schritten.

Phase 3 – Leben & aktuell halten

Ein Notfallhandbuch ist nie „fertig". So bleibt es wirksam:

Rhythmus Was tun Wo
laufend Fällige Präventivmaßnahmen & Tests abarbeiten Aufgaben-Inbox
vierteljährlich Backup-Rückspieltest, Erreichbarkeiten prüfen Prävention, Sofortmittel
halbjährlich Review von Systemen, Rollen, Dienstleistern Systeme, Rollen, Dienstleister
jährlich Notfallübung durchspielen, Lessons Learned ziehen Testplan, Protokolle & Übungen, Lessons Learned
anlassbezogen Nach jeder relevanten Änderung neue Handbuch-Version freigeben Versionshistorie

Nach jeder größeren Änderung erzeugen Sie eine neue Handbuch-Version (revisionssicheres PDF mit SHA-256-Hash) und holen ggf. Lesebestätigungen ein.

Reihenfolge auf einen Blick

  1. Firmenprofil → 2. (Branchen-Template) → 3. Standorte → 4. Mitarbeiter → 5. Pflichtrollen → 6. Dienstleister → 7. Systeme → 8. Sofortmittel → 9. Handbuch freigeben
  2. Dann: Geschäftsprozesse/BIA → Risiken → Präventivmaßnahmen → Lieferketten → Schulungen → Leitlinie & Management-Review → Reifegrad messen
  3. Danach: üben, prüfen, aktualisieren, neue Versionen freigeben

Häufige Stolpersteine

  • Zu groß starten. Erst das Grundgerüst (Phase 1), dann der Ausbau. Ein einsatzfähiges Handbuch schlägt ein perfektes, das nie fertig wird.
  • Rollen ohne Vertretung. Jede Pflichtrolle braucht eine benannte Stellvertretung — sonst fällt im Ernstfall mit einer Person die ganze Funktion aus.
  • Pläne nur digital auf betroffenen Systemen. Sorgen Sie für einen aktuellen PDF-Export und die Notfallkarte außerhalb der eigenen IT.
  • Nie getestet. Ein Backup oder Wiederanlaufplan, der nie zurückgespielt wurde, ist nur eine Hoffnung. Mindestens einmal jährlich üben.

Drucken/Weitergeben: Diese Seite lässt sich direkt über die Druckfunktion des Browsers als PDF speichern — praktisch als Einstiegs-Leitfaden für neue Notfallbeauftragte.