Geschäftsprozesse / BIA
Business-Impact-Analyse: Geschäftsprozesse nach Kritikalität einstufen, Wiederanlaufziele (RTO/RPO/MTPD) und Ersatzprozesse festlegen, mit Risiken, Maßnahmen und Offenen Punkten verknüpfen (BSI 200-4, NIS2).
Was eine BIA ist
Die Business-Impact-Analyse (BIA) beantwortet die Frage: „Welche Geschäftsprozesse müssen im Ernstfall zuerst wieder laufen — und wie schnell?" Statt einzelne Systeme zu betrachten, blickt die BIA auf die Prozesse, mit denen Ihr Unternehmen Geld verdient und Verpflichtungen erfüllt (z. B. Auftragsabwicklung, Lohnbuchhaltung, Warenausgang), und stuft sie nach Kritikalität ein. Das ist die fachliche Grundlage für den Wiederanlauf: Erst wenn Sie wissen, welcher Prozess wie wichtig ist, können Sie sinnvoll priorisieren.
Der BSI-Standard 200-4 macht die BIA zum Kern des Notfallmanagements; NIS2 (Art. 21) verlangt Aufrechterhaltung des Betriebs und Wiederherstellung. Dieses Modul liefert genau diesen Nachweis.
Erreichbar über die Sidebar „BCMS & Governance → Geschäftsprozesse / BIA".
Einen Prozess erfassen
Knopf „Neuer Prozess". Pflichtangaben:
- Prozessname — kurz und sprechend, z. B. „Auftragsabwicklung" oder „Lohn- und Gehaltsabrechnung".
- Kritikalität — Niedrig, Mittel, Hoch, Existenzkritisch.
Empfohlen:
- Beschreibung — worum geht es bei diesem Prozess?
- Stoßzeiten — wann läuft der Prozess unter Volllast (z. B. „Mo–Fr 08–18 Uhr", „Monatsende")? Ein Ausfall zur Stoßzeit wiegt schwerer.
- Benötigte Systeme — welche Systeme müssen verfügbar sein, damit der Prozess läuft? Diese Verknüpfung ist die Brücke zwischen der Prozess- und der Systemsicht.
Kritikalität einstufen
Die vier Stufen bilden ab, wie schwer der Ausfall wiegt:
- Niedrig — verschmerzbar, kann warten.
- Mittel — spürbar, aber überbrückbar.
- Hoch — es wird ernst, Kunden/Abläufe leiden schnell.
- Existenzkritisch — bedroht das Unternehmen unmittelbar.
Die Liste lässt sich oben nach Kritikalität filtern. Prozesse mit Hoch oder Existenzkritisch gelten als kritisch (isCritical()) — nur sie erscheinen im Handbuch-PDF (siehe unten). Übertreiben Sie nicht: Wenn alles „existenzkritisch" ist, ist nichts priorisiert.
RTO, RPO und MTPD
Drei Wiederanlaufziele, jeweils in Stunden erfasst:
- MTPD (Maximum Tolerable Period of Disruption) — die absolute Schmerzgrenze: Wie lange darf der Prozess maximal stillstehen, bevor untragbarer Schaden entsteht? Der RTO muss immer kleiner als der MTPD sein.
- RTO (Recovery Time Objective) — Zielzeit, bis der Prozess wieder läuft.
- RPO (Recovery Point Objective) — maximal tolerierbarer Datenverlust (wie alt darf das Backup höchstens sein).
Diese Werte steuern die Reihenfolge im Wiederanlauf und die Backup-Anforderungen an die verknüpften Systeme.
Ersatzprozess und Übergabe an den Wiederanlauf
Im Feld „Ersatzprozess / Notbetrieb" halten Sie fest, wie der Prozess ohne seine Systeme weiterläuft — z. B. Papier-Notbetrieb, Ausweichstandort, manuelle Erfassung mit Nachbuchung. Das ist die prozessübergreifende Ergänzung zum systembezogenen Notfall-Workaround (siehe Systeme). Im Ernstfall greift dieser Ersatzprozess, bis der geplante Wiederanlauf den Regelbetrieb wiederherstellt.
Verantwortlich
Pro Prozess ordnen Sie einen Verantwortlichen zu — wahlweise als Person (Mitarbeiter) oder als Rolle. Personen sind eindeutiger, Rollen bleiben auch bei Personalwechsel gültig. Die Verantwortlichkeit erscheint sowohl im Handbuch-PDF als auch im Audit-Bericht.
Prüftermine (Review)
Eine BIA ist kein Einmal-Dokument. Über „Letzte Prüfung" und „Nächste Prüfung" dokumentieren Sie den Review-Zyklus. Ist der Termin der nächsten Prüfung überschritten, markiert die Plattform den Prozess als überfällig (rotes Badge, isReviewOverdue()) — auf der Kachel und im Audit-Bericht. So sehen Sie auf einen Blick, welche Prozesse neu bewertet werden müssen.
Verknüpfung mit Risiken, Maßnahmen und Offenen Punkten
Der eigentliche Mehrwert entsteht durch die Verknüpfung eines Prozesses mit der Governance:
- Risiken — welche Bedrohungen gefährden diesen Prozess? (aus dem Risiko-Register)
- Präventionsmaßnahmen — was tun wir vorbeugend, um den Prozess zu schützen?
- Offene Punkte / Klärpunkte — welche ungelösten Fragen hängen an diesem Prozess?
Die Zuordnung erfolgt beim jeweiligen Risiko, der Maßnahme bzw. dem Offenen Punkt. Im Audit-Bericht werden diese Einträge dann prozesszentrisch zusammengeführt — und Einträge ohne Prozessbezug gesondert ausgewiesen, damit die BIA vollständig wird.
Wo die BIA erscheint
- Handbuch-PDF, Kapitel 9.1 „Kritische Geschäftsprozesse (BIA)" — eine kompakte Tabelle nur der kritischen Prozesse (Hoch/Existenzkritisch) mit Kritikalität, RTO, abhängigen Systemen, Ersatzprozess und Verantwortlichem. Siehe PDF-Export.
- Audit-Bericht (PDF) — der ausführliche, prozesszentrische Governance-Bericht: pro Prozess alle Kennzahlen (MTPD/RTO/RPO), Prüftermine, Systeme sowie die verknüpften Risiken, Maßnahmen und Offenen Punkte. Erreichbar über den Knopf „Audit-Bericht (PDF)" oben auf der Seite. Dieser Bericht ist der NIS2-/BSI-200-4-Nachweis der gelebten BIA.
Wer was sehen darf
Das Modul ist Teil des Governance-Bereichs und pro Mandant über den Feature-Schalter BIA (features.bia) zuschaltbar.
Praxis-Hinweis: Beginnen Sie mit den 5–10 wichtigsten Prozessen und stufen Sie sie ehrlich ein. Verknüpfen Sie danach Systeme und Risiken — so wächst die BIA vom Kern nach außen, statt als leere Pflichtübung zu verpuffen.