Lieferketten-Risiko
Kritische Dienstleister nach NIS2 Art. 21 bewerten — Kritikalität, Sicherheitsbewertung, turnusmäßige Wiederbewertung und Ausweich-Partner, aufbauend auf den Dienstleister-Stammdaten.
Worum es geht
Ein Ausfall trifft Sie nicht nur im eigenen Haus. Wenn Ihr IT-Systemhaus verschlüsselt wird, Ihr Cloud-Anbieter tagelang offline ist oder ein kritischer Zulieferer plötzlich nicht mehr liefert, steht Ihr Betrieb genauso still — nur haben Sie das Problem dann nicht selbst in der Hand. Genau diese Abhängigkeit von Dritten bewerten Sie hier.
NIS2 verlangt das ausdrücklich: Artikel 21 nennt die Sicherheit der Lieferkette als eigenständige Risikomaßnahme. Sie müssen nicht nur wissen, wer Ihre Dienstleister sind, sondern wie kritisch jeder einzelne ist und wie es um dessen Sicherheit bestellt ist.
Erreichbar über die Sidebar „BCMS & Governance → Lieferketten-Risiko".
Abgrenzung zu den Dienstleister-Stammdaten
Wichtig, damit nichts doppelt gepflegt wird:
- Die Stammdaten eines Partners — Name, Hotline, Vertragsnummer, SLA, Ansprechpartner — leben unter Dienstleister. Das ist das Telefonbuch für den Ernstfall.
- Die Risikobewertung hier setzt darauf auf. Sie bewertet je Dienstleister, wie sehr Sie von ihm abhängen und ob er sicherheitstechnisch geprüft wurde.
Ein Dienstleister muss also zuerst unter Dienstleister angelegt sein — im Bewertungsformular wählen Sie ihn nur noch aus einer Liste aus. Pro Dienstleister gibt es genau eine Risikobewertung.
Eine Bewertung anlegen
Knopf „Neue Bewertung". Das Formular bietet:
- Dienstleister — Auswahl aus Ihren bestehenden Dienstleistern. Pflichtfeld.
- Kritikalität — wie hart trifft Sie sein Ausfall? Vier Stufen: Niedrig, Mittel, Hoch, Kritisch. „Kritisch" heißt: ohne diesen Partner steht ein Kernprozess still.
- Sicherheitsbewertung — Stand der Prüfung: Nicht bewertet, In Prüfung, Bestanden, Nicht bestanden. Hier dokumentieren Sie z. B. das Ergebnis eines Sicherheitsfragebogens, eines Zertifikatsnachweises (ISO 27001) oder einer Auditierung.
- Wiederbewertung — Intervall für die turnusmäßige Neubewertung: Monatlich, Quartalsweise, Halbjährlich, Jährlich, Alle 2 Jahre. Leer lassen für eine einmalige Bewertung.
- Zuletzt bewertet und Nächste Bewertung — Datumsfelder. Setzen Sie ein Intervall, aber kein Fälligkeitsdatum, rechnet die App die nächste Bewertung automatisch aus (ab letzter Bewertung, sonst ab heute).
- Ausweich-Dienstleister — wer springt ein, wenn dieser Partner ausfällt? Der wichtigste Satz gegen Klumpenrisiko: „Fällt A aus, rufen wir B an."
- Notizen — Freitext für Kontext, offene Punkte, Prüfergebnisse.
Kritische Lieferanten erkennen und pflegen
Die Kachelübersicht zeigt jede Bewertung mit farbigen Badges für Kritikalität und Sicherheitsstatus. Sortiert wird nach der nächsten fälligen Wiederbewertung — was als Nächstes ansteht, steht oben. Über den Filter Kritikalität blenden Sie gezielt nur die kritischen Partner ein.
Ist eine Wiederbewertung überfällig, erscheint ein rotes „Überfällig"-Badge. Nach einer durchgeführten Prüfung genügt ein Klick auf „Als bewertet markieren": das setzt das Datum auf heute und schiebt — bei gesetztem Intervall — die nächste Fälligkeit automatisch weiter.
Faustregeln
- Fangen Sie bei den kritischen Partnern an: IT-Dienstleister, Fachsoftware-Hersteller, Cloud/SaaS, kritische Zulieferer. Nicht jeder Reinigungsvertrag braucht eine Sicherheitsbewertung.
- Für jeden als kritisch eingestuften Partner sollte ein Ausweich-Dienstleister eingetragen sein — sonst ist die Abhängigkeit ungemildert.
- Ein Lieferanten-Ausfall gehört zusätzlich als Bedrohung ins Risiko-Register (Kategorie „Dritte/Lieferkette"), wenn Sie ihn mit Wahrscheinlichkeit und Schadenshöhe durchrechnen wollen. Welche Prozesse an einem Partner hängen, halten Sie in den Geschäftsprozessen / BIA fest.
Wer was sehen darf
Die Seite ist nur verfügbar, wenn das Feature supply_chain_risk für Ihren Mandanten aktiv ist. Ist es abgeschaltet, erscheint der Menüpunkt nicht.
Praxis-Hinweis: Verwechseln Sie „bewertet" nicht mit „sicher". Der Status Bestanden heißt nur, dass Sie hingeschaut haben. Der eigentliche Wert entsteht durch die regelmäßige Wiederbewertung — ein Zertifikat von vorletztem Jahr sagt wenig über die Lage heute.